Wir reden mit! Zwischen Kunst, Engagement und Politik in Neukölln
"Wir reden mit! Zwischen Kunst, Engagement und Politik in Neukölln" ist ein Dokumentarfilm, der die Stimmen von vier Personen aus dem vielfältigen und lebendigen Berliner Bezirk Neukölln zeigt, die sich auf unterschiedliche Weise in ihrer Gemeinschaft engagieren - sei es durch Kunst, Aktivismus oder politisches Engagement. Der Film, produziert vom diversitätsorientierten politischen Bildungsprojekt Mitreden in Neukölln, thematisiert die Herausforderungen, mit denen sie konfrontiert sind und die Barrieren, die einer vollständigen Teilhabe entgegenstehen, während er gleichzeitig die Einzigartigkeit und Vielfalt ihres Bezirks feiert.
Ebenso sprechen sie offen und auch kritisch darüber, was anders oder besser laufen könnte im Kiez und wo Barrieren zur Teilhabe bestehen. Doch alle reden über einen Kiez, der so einzigartig und voller Vielfalt ist, wo es zwar raue und laute Ecken gibt aber auch vor allem die Menschen es sind, die den Kiez mitgestalten.
Weitere Themen die zur Sprache kommen sind: Biographie, Erinnerungskultur, Straßenumbenennung, Barrieren der Teilhabe, Sicherheitsbehörden, Identität, Rassismus und viele mehr.
Der Film “Wir reden mit!” ist ein extra Angebot des Projektes, zu dem ein eigener Workshop entwickelt wurde, der sich als Workshop á 90 min oder als dreistündiger Workshop buchen lässt.
Im Rahmen des Workshops kann in einer Gruppe bis max. 20 Teilnehmer*innen der gesamte Film oder die einzelnen Interviews angesehen und anhand von Leitfragen sowie einer Handreichung zum Film analysiert werden. Natürlich kann der Film auch einfach nur in ihrer/eurer Politikgruppe, Organisation, Verein oder Initiative gezeigt werden, mit oder ohne Moderation.
Melden Sie sich / meldet euch einfach bei uns. Wir schauen dann, wie wir das Workshopangebot, in welchem Setting an Ihre/ eure Bedarfe anpassen.
Sanni Est ist eine Musikerin und Kuratorin aus Brasilien, die seit 15 Jahren in Berlin,Neukölln lebt. Neben ihrer Tätigkeit als Musikerin und DJ ist sie auch in der Politischen Bildung aktiv und hat ihr eigenes Album namens "Photophobia" veröffentlicht. Im Jahr 2023 wurde sie zudem mit dem deutschen Jazz Preis ausgezeichnet.
Sanni Est teilt ihre Erfahrungen und Wahrnehmungen als queere Person, die mit Rassismus, Sexismus und Transfeindlichkeit konfrontiert ist. Diese Diskriminierung kann sich sowohl im öffentlichen Raum als auch in beruflichen Angelegenheiten oder in strukturellen Formen äußern. Sie appelliert an die Mehrheitsgesellschaft, die Stimmen und Anliegen von Minderheiten ernst zu nehmen und ihnen zuzuhören.
Des Weiteren ermutigt Sanni Est die migrantische Community, die Realität und die bestehenden Hürden nicht hinzunehmen. Sie ruft dazu auf, sich zu engagieren und Durchhaltevermögen zu zeigen. Es ist wichtig, dass die migrantische Community ihre Rechte einfordert und ihre Perspektiven sichtbar macht.
Sanni Est setzt sich dafür ein, dass alle Menschen in unserer Gesellschaft gleichberechtigt behandelt werden und dass Diskriminierung aufgrund von Herkunft, Geschlecht oder sexueller Orientierung nicht akzeptiert wird. Sie betont die Bedeutung von Solidarität und gegenseitigem Respekt, um eine inklusive und gerechte Gesellschaft zu schaffen.


Ferat Koçak ist Abgeordneter im Berliner Abgeordnetenhaus und ein gebürtiger Kreuzberger der in Neukölln aufgewachsen ist. Er ist Enkelkind einer Gastarbeiterfamilie aus Anatolien. Nach seinem Studium zum Diplom-Volkswirt arbeitete er vor seiner politischen Laufbahn in verschiedenen Bereichen mit Schwerpunkt Marketing und Öffentlichkeitsarbeit. Unter dem Namen "Der Neuköllner" ist er einer der wenigen linken Politfluencer auf Twitter, TikTok, Instagram und Co., der trotz politischen Mandats an seinem Straßenaktivismus festhält. Als antirassistischer Aktivist liegt der Fokus seiner Arbeit vor allem beim Thema Rassismus und rechte Verstrickungen in den Sicherheitsbehörden. Als Mitglied der Linksfraktion ist er Sprecher für Klima-, Flucht und antifaschistische Politik / Strategien gegen Rechts., der sich aktiv gegen rassistische Strukturen einsetzt.
Ferat Koçak berichtet von den Herausforderungen beim Zugang zu Organisationen und Strukturen in der Gesellschaft. Er betont das Fehlen einer Willkommenskultur und fordert alle progressiven Menschen und sozialen Bewegungen dazu auf, sich stärker zu öffnen und auf benachteiligte Menschen zuzugehen. Er betont die Bedeutung von Solidarität und der Schaffung inklusiver Strukturen, um die Benachteiligung und Diskriminierung von Menschen zu überwinden.
Ferat Koçak ist auch selbst Opfer einer rechtsextremen Anschlagsserie geworden. Dies macht ihn zu einem wichtigen Zeugen für die Folgen von rassistischer Gewalt. Durch seine Arbeit und seine Stimme bringt er das Thema in die Öffentlichkeit und setzt sich dafür ein, dass solche Taten konsequent verfolgt und bekämpft werden.
SchwarzRund ist eine Kulturwissenschaftlerin und Aktivist*in, die sich für Barrierefreiheit in allen Bereichen einsetzt. Sie hat Kulturwissenschaften und Gender Studies im Bachelor und Master studiert. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in queeren Schwarzen Interventionen und Afrx-Latinx Identitäten. Derzeit promoviert sie in der Forschungsgruppe Contested Democracy an der Universität Erfurt zum Demokratieverständnis bei Audre Lorde.
SchwarzRund teilt ihre Erfahrungen aus der Zeit in Neukölln. Sie erzählt von ihren Vorbildern aus der Schwarzen Bewegung, darunter Lucy Lameck, eine tansanische Frauenrechtlerin, nach der die ehemalige Wissmannstraße in Neukölln umbenannt wurde. Diese Vorbilder inspirieren SchwarzRund und zeigen den Weg für soziale Veränderungen auf.
SchwarzRund wünscht sich, dass die Gesellschaft und ihre Strukturen so barrierefrei gestaltet sind, dass es kein zusätzliches Engagement der Bürger*innen erfordert. Barrierefreiheit bedeutet hier nicht nur physische Zugänglichkeit, sondern auch den Abbau von Diskriminierung und Hindernissen für marginalisierte Gruppen. SchwarzRund plädiert dafür, dass Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen gleiche Chancen und Teilhabemöglichkeiten haben, ohne dass sie sich zusätzlich engagieren oder kämpfen müssen.
Durch Forschungsarbeit und das Archivieren von Schwarzen queeren Wissen trägt SchwarzRund dazu bei, Bewusstsein zu schaffen und Veränderungen anzustoßen, um eine gerechtere und barrierefreiere Gesellschaft zu erreichen.


Adetoun Küppers-Adebisi ist eine Medien-Aktivistin und ist Präsidentin von Afrotak TV CyberNomads. Sie ist auch Mitglied im Vorstand des BER (Berliner entwicklungspolitischer Rat) fungiert als Diversity-Sprecherin im Global Village und berät Schwarze ukrainische Geflüchtete. Ihr Aktivismus konzentriert sich auf die Förderung von Dekolonialisierung und neuer Erinnerungskultur. Aktuell ist ihr Black Book, Generation Repair, Transnationale Dialoge Naminia Deutschland erschienen.
Ein wichtiges Projekt, das Adetoun vorantreibt, ist die Black Berlin Biennale. Sie bringt Künstler*innen afrikanischer Herkunft zusammen und fördert die Auseinandersetzung mit Themen der Dekolonialisierung und Erinnerungskultur. Durch Ausstellungen, Performances und Diskussionen trägt die Black Berlin Biennale dazu bei, den Kunst- und Kulturbereich zu entkolonialisieren.
Adetoun setzt sich auch mit verschiedenen Empowerment-Projekten für Minderheiten ein, insbesondere für Frauen in der Diaspora und im Exil. Ihr Ziel ist es, diese Frauen zu erreichen, sie zu motivieren und zu ermutigen, ihr Wissen zu aktivieren und wertzuschätzen. Sie möchte ihnen dabei helfen, ihre Stimmen zu erheben und ihre Potenziale zu entfalten.
Ein wichtiger Appell von Adetoun richtet sich an BPoC (Schwarze und People of Color), sich aktiv an gesellschaftlichen Veranstaltungen und Workshops zu beteiligen, um eine umfassende Teilhabe zu ermöglichen. Sie ermutigt sie, ihre Perspektiven und Erfahrungen einzubringen, um eine inklusive Gesellschaft zu schaffen, in der Vielfalt und Gleichberechtigung gelebt werden.